Heftige Kritik an Schäubles Vorschlagder "Trennungsbank-Light" (Foto:dpa)"HALBHERZIGE AKTION"
Als SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Herbst letzten Jahres vorschluig, Großbanken radikal aufzuspalten, um Zocken auf Kosten der Steuerzahler künftig zu verhindern, erntete er massiv Kritik aus Reihen der Regierung. Nun will Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) plötzlich auch das Investmentbanking vom klassischen Kundengeschäft trennen - allerdings gehen die Ideen von Steinbrück viel weiter.
Schäubles Vorschläge zur Bankentrennung lehnen Finanzexperten als unbrauchbar ab: " Die Regierung unternimmt eine halbherzige Aktion", kritisierte Mechthild Schrooten, Professorin für Volkswirtschaft an der Hochschule Bremen und am Deutschen Institut für Wirtschaftforschung (DIW), in der "taz" (Donnerstag). Die Finanzexpertin wirft der Merkel-Regierung Etikettenschwindel vor: "Sie möchte signalisieren, dass sie etwas tut, löst aber das Problem nicht." Auch als Holding mit getrennten Geschäftsbereichen bleibe eine große Bank eine große Bank.
Schäuble lässt die Banken an lange Leine
Schrooten erklärt weiter, bei manchen transnationalen Instituten übersteige das Volumen des spekulativen Wertpapierhandels das Geschäft mit Konten und Krediten um ein Vielfaches. Gerate der Wertpapierhandel massiv in Schwierigkeiten, würde der Staat aus Angst vor Ansteckungseffekten nach wie vor einspringen. "Daran wird diese halbherzige Trennung der Geschäftsfelder nichts ändern."
Die Finanzprofessorin empfiehlt der Regierung stattdessen einen Finanz-TÜV, mit dem Großbanken verpflichtet werden, ihre risikoreichen Geschäfte zu verringern "und einige davon ganz aufzugeben". Schrooten: "Gehen die Finanzmärkte zu hohe Risiken ein, verursachen sie übermorgen möglicherweise gigantische volkswirtschaftliche Kosten. Diese gefährden das Wirtschaftswachstum viel stärker als die Verringerung der Bankprofite auf ein moderates Niveau."