Ulrike Gottschalck
Bei manchen öffentlichen Veranstaltungen der
vergangenen Wochen fragen wir die Anwesenden
gerne, wer von ihnen die FDP gewählt
hat. Regelmäßig bekommen wir unschuldiges
Achselzucken zur Antwort: „Ich nicht“, niemand
will es gewesen sein.
In diesen Tagen hat der FDPGesundheitsminister
Philip Rösler seine Pläne
für eine Gesundheitsreform durch das Kabinett
gebracht. Von dem „Mehr Netto vom Brutto“
ist nicht viel übrig geblieben. Denn die
Bundesregierung will die Krankenversicherungsbeiträge
um 0,6 Prozent erhöhen und
Zusatzbeiträge unbegrenzt ermöglichen. Zudem
erleichtert sie Gutverdienenden den Weg
von der gesetzlichen Krankenkasse hin zur
Privatversicherung.
Solidarität bedeutet für uns gerade auch im
Bereich der Gesundheit, dass die Starken die
Schwachen unterstützen. Daher treten wir für
eine Bürgerversicherung ein, in der alle ihren
Beitrag leisten! Wenn alle entsprechend ihrer
Einkommens- bzw. Vermögensverhältnisse in
ein solidarisches Gesundheitssystem einzahlen,
also auch Gutverdienende und Spitzenverdiener,
kann man ein bedarfsgerechtes
Gesundheitswesen in Deutschland finanzieren.
Um das Gesundheitswesen zu finanzieren,
müssen alle am Gesundheitswesen Beteiligten,
besonders auch Apotheker und vor allem
die Pharmaindustrie ihren Beitrag leisten.
Wenn man weiß, dass gerade die Pharmaindustrie
im Bereich der patentgeschützten Medikamente
vollkommen frei die Preise bestimmen
kann, muss man dem zustimmen: In
Deutschland sind die Preise bis zu 80 Prozent
höher als im Ausland.
Gerade als Bundestagsabgeordnete aus
überwiegend ländlich strukturierten Regionen
in Nordhessen treten wir für eine hausarztzentrierte
Versorgung ein. Hausärzte sind
wichtige Lotsen, die die Patienten durch das
Gesundheitssystem führen können. Anstatt
den Hausarztberuf weiter unattraktiv zu machen,
wie es die Bundesregierung plant, müssen
die Hausärzte gestärkt und ihr Beruf attraktiv
bleiben!
Schließlich müssen wir die ärztliche Versorgung
auf dem Land stärken.
Die Hausärzte sind in weiten Teilen deutlich
über 50 oder sogar 60 Jahre alt und finden für
ihre Praxen keine Nachfolger mehr. Hier müssen
wir Anreize schaffen damit mehr Allgemeinmediziner
als Hausärzte in die Region
kommen.
(Ulrike Gottschalck, MdB)