Weder Feier noch Abend. Immer mehr Menschen arbeiten rund um die Uhr (Foto:dpa)AM SIEBTEN TAGE SOLLST DU TUN
Immer mehr Beschäftigte in Deutschland arbeiten am Wochenende oder in der Nacht, immer öfter im Schichtdienst - und immer länger. Der Bundesregierung zufolge arbeitet inzwischen jeder Vierte darin, wenn andere frei haben. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles spricht von einer " besorgniserregenden Entwicklung" und fordert verbesserte Arbeitszeitmodelle.
Nach einer aktuellen Erhebung der Bundesregierung mussten 2011 ein Viertel oder 25,3 Prozent der Beschäftigten am Wochenende arbeiten. 2001 waren es noch 20,6 Prozent gewesen. Besonders betroffen sind:
" Beschäftigte im Sozial- und Gesundheitsbereich",
im Verkauf, der Logistik und der Gastronomie.
2 Millionen arbeiten mehr als 48 Stunden in der Woche
Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, über die die "Süddeutsche Zeitung" am Montag zuerst berichtete. Demnach arbeiteten 2011 etwa 8,9 Millionen Beschäftigte "ständig oder regelmäßig am Wochenende." 2011 waren es noch 6,7 Millionen. Auch bei der Nachtarbeit stieg die Zahl der Betroffenen von 7,8 auf 9,4 Prozent, ebenso in der Schichtarbeit: Diese leisteten zuletzt 15,6 Prozent dedr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer - nach zuvor 13,6 Prozent.
Obwohl überlange Arbeitszeiten nach Aussage der Regierung, "nach wie vor eine Ausnahme" seien, nahmen sie in untersuchten Zeitraum dennoch weiter zu. So arbeiteten 2011 um die 1,92 Millionen Menschen mehr als 48 Stunden die Woche - 2001 waren es noch 1,56 Milliomem gewesen, ein Zuwachs von 23 Prozent.
Schichtdienst macht krank
Besonders betroffen sind Lehrerinnen und Lehrer, Ingineurinnen und Ingeneure und sogenannte "Berufen der Unternehmensleitung, -beratung und -prüfung". Die Bundesregierung weist zudem auf das
<< steigende Risiko psychischer Belastungen für Angestellte >> im Schichtdienst hin. Für diese bestünden "erhöhte gesundheitliche Risiken". Das Statistische Bundesamt hatte diese Entwicklung bereits im August 2012 mit ähnlichen Daten beschrieben.
Nahles: Zahlen belegen Handlungsbedarf
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sprach am Montag in Berlin von einer "besorgniseregenden Entwicklung". Die veröffentlichten Zahlen seien ein klarer Beleg für Handlungsbedarf. "Wir haben den höchsten Stand von Feiertags-, Wochenend- und Schichtarbeit". Durch die immer weiter steigenden Anforderungen an die Flexibilität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werde deren "Zeitsouveränität" beschnitten, so Nahles.
Aus diesem Grund habe die SPD zuletzt einige Vorschläge eingebracht, "wie man zu einer Zeitsouveränität zurückfindet - gerade auch für Familien. Daher auch der Vorschlag, eine 30-Stunden-Woche zu überlegen und andere Arbeitszeitverkürzungen und Auszeiten. Zum Beispiel auch, wenn Familienangehörige Pflege bedürfen."
mit (dpa)