Thorsten Schäfer-GümbelVon Georg Haupt
Zugegeben, es gab mal Zeiten, da waren selbst die eingefleischesten Genossen froh, wenn sie nicht aus ihrer Kommandozentrale in Wiesbaden hörten. Kurz vor und nach dem Wahldesaster der Andrea Ypsilanti um das Jahr 2009 etwa, als die ehemalige "Hessen.Partei" der legendären SPD-Ministerpräsidenten Georg-August Zinn oder Holger Börner mit 23,6 Prozent ihren Tiefpunkt erlebte.
Das ist jetzt vier Jahre her und seitdem ist es mit den Sozialdemokraten hierzulande aufwärts gegangen. Langsam aber stetig, wie die vergangene Kommunalwahl im vergangenen Jahr bewies, wo trotz eigener Verluste die Distanz zum ewigen Konkurrenten CDU auf mehr symbolische 2,2, Prozent verkürzt werden konnte.
Ohne Rückenwind aus der größten Stadt gehe es eben nicht schneller, lamentierte damals Thorsten Schäfer-Gümbel mit unüberhörbarem Grollen in Richtung der Genossen in Frankfurt, nachdem man dort sogar hinter die Grünen auf Platz drei zurückgefallen war.
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Feldmann und Steinbrück
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Inzwischen macht Schäfer - Gümbel wiede gerne Termine in Frankfurt. Ob beim Treffen der hessischen Parteispitze mit dem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, oder zu einem meist medial klug beworbenen Meinungsaustausch mit dem ebenfalls noch ganz frischen Oberbürgermeister Peter Feldmann - der hessische SPD-Partei- und Landtagsfraktionschef verbreitet in der Bankenmetropole gerne Zuversicht in eigener Sache.
Vor zwei Jahren noch hätte man darüber wissend lächelnd hinweggehen können. Dass diese Zeiten vorbei sind, liegt vor allem an Thorsten Schäfer-Gümbel selbst. Der 43-jährige mit Wohnsitz im mittelhessischen Lich hat die Diskussionen um innerparteiliche Strömungen in seiner Partei kurzerhand für beendet erklärt, als er im November 2009 der einzige Kandidat war, der sich zutraute, die Scherben der vorangegangenen Wahlschlappe wegzukehren. Die Parteifreunde dankten es ihm mit einer in Hessen ungewöhnlichen Folgsamkeit und ernten gemeinsam jetzt die Früchte: Ein Jahr vor der Landtagswahl darf die in Umfragen nur noch knapp hinter der CDU liegende SPD davon träumen, die seit 1999 anhaltende Durststrecke auf den harten Oppositionsbänken endlich zu beenden.
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Entscheidung gegen G 8
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In der vergangenen Woche tat die SPD dazu einen großen Schritt. Mit der Vorstellung eines Entwurfs für das Wahlprogramm 2013 stellte die Partei eine ganze Reihe sozialer Verpflichtungen in den Mittelpunkt und bewies vor allem mit der Ankündigung der konsequenten Abschaffung des hoch umstrittenen Turbo-Abiturs (Verkürzung des Abiturs auf acht Jahre) ein glückliches Händchen.
Dieses zudem ausgerechnet auf einem Gebiet, wo die politische Konkurrenz mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Kultusministerin
Nicola Beer (FDP) einen Befreiungsschlag mit ihren eigenen Plänen zur Wahlfreiheit der Gymnasien zwischen G 8 und G 9 gelandet haben wollte. Ein Trugschluss, wie die Anhörung zu diesem Thema kürzlich erbrachte. Danach fühlen sich Schulen, Schuträge, Eltern und Schüler nur veunsichert durch die neuerliche Reform de Reform. Punktsieg für die SPD.
So könnte es weitergehen, triumphieren jetzt schon zahlreiche Genossen, doch so wird es nicht weitergehen. In den zentralen Themen Wirtschafts- und Finanzpolitik gelten nach wie vor Christdemokraten und Liberale in weiten Bevölkerungskreisen als kompetenter, trotz Schäfer-Gümbels Bekenntnissen zum Bankenstandort Frankfurt oder seiner strikten Absage an eine Ausweitung des Nachtflugverbots am Frankfurter Flughafen womit sich trefflich Wählerstimmen einsammeln ließen.. Da widerspricht TSG (die verbreitete Kurzfassung seines etwas sperrigen Namens) dann sogar dem Frankfurter Parteifreund Feldmann.
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Noch keine Mannschaft
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Auch das gehört dazu: Schäfer-Gümbel hält Kurs, wenn er einmal einen eingeschlagen hat. Das Problem ist, dass die SPD über seine eigene Person hinaus kaum wahrgenommen wird. Dahinter klaffen tiefe Löcher.
Erst nach der Bundestagswahl werde er über sein Team sprechen, vertraute Schäfer-Gümbel kürzlich "Bild" an. Das dürfte deutlich zu spät sein, aber das weiß der SPD-Frontmann selbst. Vielleicht will er damit nur die vielen unangenehmen Fragen in dieser Richtung abwehren und dabei Zeit gewinnen.
Thorsten Schäfer-Gümbel, um einigen Ballast auf den Hüften leichter und das wackelige linke Knie im Sommer erfolgreich operiert, hat noch einiges zu tun. - Er ist bereit. In den vergangenen Wochen ist es gut gelaufen. -