SPD Vollmarshausen

Endlich "Equal Pay" für die Pflege verwirklichen!

Veröffentlicht am 20.03.2013 in Bundespolitik

Schwester Pauline hält im Hospiz in Stuttgart die Hand einer totkranken Bewohnerin (Foto dpa)

Verdienstunterschiede von Frauen und Männern

An einem Frühsommermorgen im Jahr 2008 kam ich nach 2 Stunden Fahrt endlich im Pflegeheim meines Großvaters an. Ich hatte es nicht mehr rechtzeitig geschafft. Im Morgengrauen war er aus dem Leben geschieden. Ein einfühlsamer Pfleger fasste mich behutsam am Arm und nahm mir die schlimmste Angst: Er war nicht allein eingeschlafen. Der Pfleger hatte an seinem Bett gewacht und ihn auf dem letzten, schweren Stück des Lebensweges begleitet.

Moment, ein Pfleger?`Ja, in diesem emotionalen Moment hat ein Mann die Zuwendung gegeben, wo sonst meistens Frauen diesen harten Beruf ausüben. In der Pflege arbeiten zu 85 Prozent Frauen Und eigentlich tun sie mehr als das: Mit ihrer Arbeit geben sie dem Miteinander in unserer Gesellschaft ein Gesicht.

Frauen verdienen 22 Prozent weniger

Am 21. März 2013 findet zum sechsten Mal der Equal Pay Day in Deutschland statt. An diesem Tag wird auf die Ungleichheit bei den Löhnen zwischen Männern und Frauen hingewiesen und Lohngleichheit gefordert. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Diese Forderuing ist so alt und liegt zugleich so klar auf der Hand, dass es kaum zu fassen ist, dass wir immer noch darüber reden müssen. Frauen verdienen laut Statistischem Bundesamt (März 2013) 22 Prozent (!) weniger als ihre männlichen Kollegen. Und je höher Frauen die Karriereleiter erklommen haben, umso deutlicher wird der Unterschied. Bei Führungskräften sind es gar 30 Prozent Unterschied.

Noch gravierender sind die Unterschiede zwischen einzelnen Branchen. Während in der Metall- und Elektroindustrie, die überwiegend männliche Beschäftigte hat, gut bis sehr gut verdient wird, sieht es in weiblich dominierten Branchen deutlich schlechter aus. Wir müssen uns die Frage stellen, warum die Arbeit am Fließband in der Automobilfabrik viel besser entlohnt wird als der Dienst am Menschen in Erziehung, Sozialarbeit und auch in der Pflege.

Ist Fabrikarbeit härter?

Ist das Malochen im Werk wirklich der härtere Job? Wer einmal Schichtdienst im Altenheim mitgemacht hat, weiß vom Gegenteil zu berichten.Das Waschen und Umbetten von Pflegebedürftigen, die sich kaum noch selbst bewegen können, ist Schwerstarbeit. Medikamente zuteilen und richtig zu pflegen, ist hochqualifizierte Arbeit Für die kleinen und großen Sorgen der alten Menschen da zu sein, Strukturen in einen Alltag zu bringen, ist psychisch sehr belastende Arbeit. Dabei müssen Pflegekräfte immer konzentriert sein, denn Fehler können Leben kosten. Und dann kommt noch eine zentrale Aufgabe dazu: Menschliche Zuwendung zu geben in den schwierigen Momenten am Ende eines Lebens - bei schwerer Krankheit oder wenn Menschen aufgrund psychischer Erkrankungen wie Demenz, ihre Persönlichkeit manchmal bis zur Unkenntlichkeit verändern.

Diese enorme persönliche Anstrengung wird nicht angemessen anerkannt und bezahlt. Im Gegenteil: Durch den hohen Teizeitanteil in den Pflegeberufen (61 Prozent) ist eine gute soziale Absicherung - vor allem im Alter - oft nicht erreichbar. Nicht selten müssen die Löhne durch ergänzende Grundsicherung aufgestockt werden. Hier muss sich dringend etwas ändern!

Denn was passiert eigentlich, wenn bei den Arbeitsbedingungen in der Pflege nichts passiert? Erst jüngst hat die Bertelsmann-Stiftung herausgefunden, dass bis 2020 - in nur 17 Jahren (!) - eine halbe Million Arbeitskräfte in der Pflege fehlen. Und das bei zunehmenden Fachkräftemangel und daraus folgender verschärfter Branchenkonkurrenz um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Frage, wer pflegt und versorgt in der Zukunft, muss im Mittelpunkt einer Pflegereform stehen. Wer diese Herausforderung bestehen will, muss gute Arbeitsbedingungen schaffen.

Gute Pflege braucht Anerkennung und gute Löhne


Die Pflegekräfte, die wir in Zukunft für die Versorgung der Menschen brauchen, stehen uns nicht von heute auf morgen zur Verfügung. Das erfordert Investitionen und zwar von heute an! "Equal Pay" in der Pflege und in sozialen Berufen ist überfällig, denn es ist hochqualifizierte Schwerstarbeit. Und es ist eine Gerechtigkeitsfrage. Denn mit schlechter Bezahlung wird auch die Pflege selbst immer schlechter, weil nicht genügend Menschen sich bereiterklären, diesen Beruf auszuüben. Dann können sich nur noch wenige für sehr viel privates Geld eine gute Versorgung leisten.

Deshalb meine Sicht: Wir brauchen in der Pflege eine ebenso gute Bezahlung wie in der Industrie. Sonst hat Pflege keine Zukunft. Und dann werden endlich auch mehr Männer in diesem Beruf arbeiten, so wie einst der Pfleger, der mir so gut zur Seite stand.

SPD 2013

 

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Autor: Bubby, Datum: 12.04.2013, 14:51 Uhr